|
Landessportschule Bad Blankenburg
Das Selbsthilfegruppen-Bundestreffen fand am 14. und 15. Juni 2008 in Bad Blankenburg statt. Das Treffen wurde am Samstag durch die Vorsitzende der DGZ e.V., Antonia Peters, eröffnet. Dipl.-Psych. Dr. Gregor Peikert vom Universitätsklinikum Jena, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie hielt den Hauptvortrag zum Thema „Zwangsstörungen und Partnerschaft“. In seiner Darlegung des Wesens, der Folgen, Auswirkungen und des Krankheitsverlauf der Zwangsstörungen erläuterte er die Symptome des Zwangs und die daraus folgenden Einschränkungen sowohl für die Betroffenen als auch für deren Partner und Familienangehörige. Anhand verschiedener Beispiele und Erfahrungen der psychotherapeutischen Praxis erklärte er ausführlich und sehr anschaulich, wie stark die Zwangserkrankung zu Einschränkungen für Partner und Familienangehörige führt. Die Familie wird praktisch in den Zwang der Betroffenen mit einbezogen. Deren Auswirkungen umfassen oftmals alle Lebensbereiche der Familie. Im Weiteren erklärte Dr. Peikert, wie sich Betroffene und deren Partner besser verstehen und wie Partner und Familienangehörige den Betroffenen helfen können. Er legte insbesondere die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der Zwangsstörungen und die daraus resultierenden Problem der Hilfe durch Angehörige dar. An Beispielen erläuterte er, wie Angehörige den Betroffenen helfen und an welche Einrichtungen und Institutionen sie sich wenden können, um Unterstützung zu bekommen. Er betonte, dass jedoch effektive Hilfe oft nur möglich ist, wenn die Betroffenen eine psychotherapeutische Behandlung absolvieren. Zugleich ging er auf Schwierigkeiten und Fehler, die Partnern und Angehörigen unterlaufen können, ein und wie diese vermieden werden können. Zu diesem Teil des Vortrages gab es eine lebhafte und zum Teil emotional geprägte Diskussion, in der Teilnehmer ihre eigenen Erfahrungen einbrachten und Auffassungen darlegten.

Am Nachmittag fanden Workshops zu - Zwangsstörung und Partnerschaft - Ressourcenarbeit – Wie kann ich meine anderen Anteile wieder fördern lernen - Gegen den Zwang kämpfen statt, in denen die Teilnehmer mitarbeiten konnten. Nach der kurzen Darstellung der Inhalte der Workshops entschied ich mich für den Workshop Ressourcenarbeit. Hier ging es darum, dass jeder Betroffene nach der kognitiven Wende, die z.B. durch eine ambulante oder stationäre psychotherapeutische Behandlung erreicht wurde, nun seine Ressourcen und Stärken erkennt und diese für eine ressourcenorientierte Wende auf der Basis verhaltenstherapeutischer Behandlungskonzepte bei Zwangsstörungen zu nutzen lernt. Bisher hatte in der Regel die defizitorientierte Psychotherapie den Vorrang. Eine Orientierung auf die Ressourcen und Stärken der Betroffenen fand nur in Ausnahmefällen oder ganz am Rande der Behandlung Platz. Unter diesem Gesichtpunkt stellten die Teilnehmer des Workshops sowohl ihre Zwangserkrankung, als auch ihre Stärken dar. Im weiteren Verlauf wurden die verschiedenen Bereiche und daraus resultierende Möglichkeiten für die Gestaltung der Arbeit der Selbsthilfegruppen erörtert und in einer Übersicht festgehalten. In der Gruppe herrschte eine offene, optimistische und freundschaftliche Atmosphäre, in der es Spaß machte, sich zur Thematik, den Erfahrungen und Vorschlägen zu äußern. Zur Erarbeitung eines Konzeptes wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die Veranstaltungs- und Diskussionsvorschläge zum Thema Ressourcenarbeit erarbeiten soll. Ich habe mich auf Grund des Verlaufs der Tagung und vor allem des Workshops spontan entschieden, in der Arbeitsgruppe mitzuarbeiten. Mit einer Führung durch das historische Rathaus und einer Wanderung zur Burg Greifenstein endete der erste Tagungstag. Am Sonntagsvormittag wurden die Vorstandsmitglieder und die Arbeit des DGZ vorgestellt. In der Runde der Teilnehmer konnten die vielseitigen Erfahrungen der Selbsthilfegruppen ausgetauscht und die Probleme und deren Lösungen diskutiert und erörtert werden. Gegen 12.30 Uhr erfolgte die Verabschiedung. Für mich persönlich war diese Tagung eine große Bereicherung. Mit voller Begeisterung habe ich die Möglichkeiten der Tagung genutzt und genossen. Meine Erwartungen an diese Tagung wurden weit übertroffen. Nachdem ich im Sommer/ Herbst 2007 eine stationäre Psychotherapie absolviert habe und weiterhin in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung bin, habe ich mich oft gefragt, wie es nach der Therapie weitergeht. Die Tagung und insbesondere der Workshop hat mir vielfältige Anregungen und Möglichkeiten aufgezeigt, wie ich den beschrittenen Weg erfolgreich weitergehen kann. Ich habe Bekanntschaften und wertvolle Kontakte knüpfen können. Mich hat die offene und herzliche Atmosphäre der gesamten Tagung emotional besonders berührt. die Tagung hat mir persönlich weiteren Auftrieb und Zuversicht für den Kampf gegen die Zwangserkrankung gegeben. Eine meiner wichtigsten Erfahrungen dieses Wochenendes war, dass ich nicht allein auf mich angewiesen bin, sondern dass es zahlreiche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und des Erfahrungsaustausches gibt. Ich möchte deshalb den Organisatoren der Tagung, insbesondere dem Vorstand der DGZ e.V., für diese hervorragende und erfolgreiche Veranstaltung danken, insbesondere der Vorsitzenden Antonia Peters und Holger Müller. Ich werde mich auf alle Fälle in der DGZ engagieren und habe mir vorgenommen, mich dafür einsetzen, im Bereich Jena mit Hilfe weiterer Betroffener eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen.
Monika Lenz |