Aktuelles -> Zwänge aktuell -> Jahrestagung der DGZ in München 2009

Jahrestagung der DGZ in München 2009

Obsessionen, Zwänge, Tics, Verhaltenssüchte ...?
Rückblick auf die Jahrestagung 2009 in München

Schon bei der Ankunft in München gab es Zeichen, dass diese Tagung sich von denen der Vorjahre deutlich abheben würde. Mitte Oktober erwartet ein Nordlicht, wie der Verfasser, in München mildes Herbstwetter mit weisblauem Himmel. Weit gefehlt, der Himmel zeigte sich in tiefem grau, es war lausig kalt, und Schneeflocken rieselten vom Himmel. Schnee zur Jahrestagung – das hatten wir bislang noch nie.

Beim Betreten des Tagungsorts war das unfreundliche Wetter gleich vergessen. Man fühlte sich sogleich wie zu Hause, was daran liegt, dass sich unsere Jahrestagungen immer mehr zu einem Familientreffen entwickeln. Überall bekannte Gesichter, und es ergab sich stets ein anregender Plausch auf den Fluren. Berührungsängste zwischen Therapeuten und Betroffenen gehören in der DGZ endgültig der Vergangenheit an. Ein vertauensvolles und gegenseitig sich wertschätzendes Verhältnis ist wohl die korrekte Beschreibung des Umgangs der aktiven Mitglieder miteinander. Jüngster Gast war Manuel (9 Monate), der unter den Augen seiner Eltern durch die Lobby und den Hörsaal kabbelte. Überall wo Manuel auftauchte, entstand eine besondere Atmosphäre.

Inhaltlich befasste sich die Tagung neben der Zwangsstörung und dem Tourette-Syndrom sowie auch mit dem großen Spektrum ähnlicher Erkrankungen. Vorgestellt wurden Diagnostik und Therapie u.a. der Essstörung, Hypochondrie, Trichotillomanie, ADHS und ‚Verhaltenssüchten’, wie z.B. der Spielsucht. In Vorträgen und Workshops wurde jede Menge Wissen über die Besonderheiten der Therapie der einzelnen Störungsbilder des Zwangsspektrums nebst den Auswirkungen auf begleitende Störungen vermittelt.

„Ziel der Veranstaltung war es, einen umfassenden Überblick über aktuelle Erkenntnisse zu Klinik, Diagnostik, Ursachen und Therapie aller Störungsbilder des Spektrums von Zwängen zu geben“, betonte Kongresspräsident Professor Dr. Norbert Müller, Oberarzt der LMU Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Dieses Ziel wurde voll erreicht. „Der Kongress blickte über den „Zaun“ der jeweiligen Störung, um die Behandlung kombiniert auftretender Störungen voranzubringen“, war das Resümee von Professor Dr. med. Michael Zaudig, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Windach. Z-aktuell hat die Referenten der wichtigsten Vorträge gebeten, die Inhalte zum Abdruck zur Verfügung zu stellen. Auf den folgenden Seiten können wir schon mal den ersten Betrag präsentieren.

Sehr erfreulich war, dass die Pressekonferenz, zu der die Veranstalter (DGZ, TGD, LMU und Klinik-Windach) eingeladen hatten, ausgesprochen gut besucht war. Es waren 8 Vertreter verschiedener Medien gekommen, die großes Interesse an Reportagen zu den Störungsbildern zeigten. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Presse wieder verstärkt der Zwangsstörung zuwendet, was uns hilft, unsere Aufklärungsarbeit in die Öffentlichkeit zu tragen und am Abbau der Stigmatisierung der Zwangsstörung zu arbeiten.

Auch durften mahnende Worte auf der Tagung nicht fehlen. In den Workshops für Therapeuten wurden die Behandler daran erinnert, dass eine gute Exposition wesentlicher Bestandteil einer fachgerechten Verhaltenstherapie der Zwangsstörung ist. Dipl.-Psych. Thomas Hillebrand vom Vorstand der DGZ wies auf die Wichtigkeit der Blockbehandlung im häuslichen Umfeld hin. Diese sei seit Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnungsfähig und würde viel zu selten genutzt.

Rustikal bayrisch ging es beim Gesellschaftsabend zu, zu dem die Organisation in das Münchner Traditionslokal ‚Paulaner im Tal’ eingeladen hatte. Bei Schweinsbraten und Bier wurde weiter lebhaft über die Chancen verschiedener therapeutischer Ansätze diskutiert.

Insgesamt war München 2009 eine Tagung, die ein weites Themenspektrum von verschiedenen Blickrichtungen aus betrachtete und so umfassende Erkenntnisse vermittelte. Wichtig und der Tradition unserer Gesellschaft entsprechend wurden die Beiträge nicht nur von medizinisch-psychologischen Experten gestaltet. Es waren auch insgesamt 7 Betroffene als Referenten dabei (1 Hauptvertrag und 5 Workshops), die den Behandlern ihre Einrücke der eigenen Erkrankung und deren Bewältigung aufzeigten.

Unser Dank gilt dem Organisationsteam der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU-München, insbesondere Frau Karin Koelbert, die geräuschlos für einen wirklich reibungslosen Ablauf der Tagung sorgte.

Wolf Hartmann


zurück zur Übersicht