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Zwanghaftes Verhalten

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Was sind Zwänge?

 Jeder Mensch ist bestimmten Alltagszwängen unterworfen. So müssen die Meisten beispielsweise unter der Woche zu einer bestimmten Zeit aufstehen, damit sie pünktlich bei der Arbeit oder in der Schule sind. Auch eine gewisse Körperhygiene - wie regelmäßiges Duschen und Kleider wechseln -  ist eine wichtige Voraussetzung für ein ungetrübtes Sozialleben. Diese "normalen" Zwänge sind für die Bewältigung des täglichen Lebens unerlässlich und werden auch entsprechend anerzogen und gefördert. 

Der Begriff "zwanghaftes Verhalten" umfasst nun ein breites Spektrum an Verhaltensweisen. Darunter fallen vollkommen harmlose Angewohnheiten - wie bestimmte Begrüßungsrituale innerhalb der Familie - aber auch kraft- und zeitraubende Verhaltensmuster, die den Alltag des Betroffenen stark beeinflussen können. Der Übergang von "normalem" zu "zwanghaftem" Verhalten verläuft oft fließend und ist von außen entsprechend schwer zu erkennen. So können eine ganze Reihe harmloser Hobbys unter Umständen an eine Zwangsstörung erinnern. Viele Menschen sammeln beispielsweise leidenschaftlich Briefmarken, Bierdeckel oder alte Konzertkarten. Wann aber hört das entspannende Vergnügen auf und fängt der so genannte Sammelzwang an? 

Generell gilt:  

Je stärker das zwanghafte Verhalten von dem sonst üblichen Verhalten abweicht und je mehr es den Betroffenen in seinem alltäglichen Leben behindert und einengt, um so eher wird man von einer Störung oder Erkrankung sprechen 

Vom Aberglaube zur Zwangsstörung

Ihre ersten Ängste und Zwänge betrachten die Betroffenen oft als eine Art persönlichen Aberglaube. In diesem Stadium empfinden sie ihre Symptome auch noch nicht als besonders belastend. Mit der Ausdehnung des Zwangs - häufig verursacht durch Konflikte oder Lebenskrisen - beginnen dann jedoch die ersten Beeinträchtigungen. Viele Betroffene versuchen dem Zwang anfangs zu  widerstehen. Sie unterdrücken beispielsweise so gut es geht das Bedürfnis, sich ständig die Hände zu waschen oder dauernd die elektrischen Geräte in der Wohnung zu kontrollieren. Das komplette Zwangssystem wird jedoch nur äußerst selten in Frage gestellt. Die Angst vor der eigenen Angst hindert die Betroffenen daran, ihr zwanghaftes Verhalten vollständig zu unterlassen. Ein solcher Kampf kostet viel Energie und führt häufig zu einer totalen Erschöpfung. Dadurch können die Betroffenen ihren Alltag immer schlechter bewältigen und fühlen sich zudem oft niedergeschlagen, mut- und hoffnungslos. Zudem vermeiden sie alle Aktivitäten, die ihre Zwänge möglicherweise verstärken und ziehen sich so immer weiter aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Durch die soziale Isolierung erhält der Zwang zusätzlich eine Sinnspendende und Zeiterfüllende Funktion.

Der Betroffene widmet seine ganze Kraft und Aufmerksamkeit seinen Zwängen und vermeidet so die Auseinandersetzung mit den für ihn problematischen Themen. Auch negative Gefühle wie Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen werden nicht so stark wahrgenommen. 

Zwanghafte Persönlichkeitsstruktur

Neben in jedem Fall behandlungsbedürftigen Zwangsstörungen gibt es auch so genannte zwanghafte Persönlichkeitsstrukturen. Bei diesen Personen fehlt in der Regel der persönliche Leidensdruck. Zwar beschreiben  Außenstehende das Verhalten der Betroffenen als "zwanghaft" und "rigide", sie selber empfinden das jedoch anders. Oft sind sie sogar stolz auf ihren Perfektionismus.

Zwanghaften Persönlichkeiten sind meist ernste, förmliche und sehr moralische Menschen, die sich übermäßig stark mit Regeln und Plänen beschäftigen. Es fällt ihnen oft schwer, sich zu entscheiden und ihre Zeit sinnvoll einzuteilen. Sie sind ständig davon überzeugt, im Recht zu sein. Dadurch sind ihre Beziehungen zu anderen Menschen meist stark belastet. Darüber hinaus können sie sich nur schwer von den Dingen trennen, die ihnen gehören (Geld, alte Kleider etc.).

Trotz einer ähnlichen Bezeichnung, unterscheiden sich zwanghafte Persönlichkeiten deutlich von Zwangskranken, da sie weder unter Zwangshandlungen noch unter Zwangsgedanken  leiden.