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Tipps für Gruppensitzungen

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Der Gruppenablauf

Eine Gruppensitzung von Selbsthilfegruppen könnte folgendermaßen aufgebaut sein:

Gruppenmoderator festlegen

Idealerweise bestimmt die Gruppe eine feste Reihenfolge der Moderatoren (z.B. alphabetisch nach Vormamen), damit jeder Teilnehmer die für diese Aufgabe erforderlichen sozialen Kompetenzen trainieren kann. Der Moderator sollte sich jedoch nicht mit der Aufgabe überfordert fühlen und selbst keine akuten Problemen haben - sonst verliert er möglicherweise den Überblick über das Gruppengeschehen.


Blitzlicht der Gruppenbefindlichkeit

Jedes Gruppenmitglied teilt den anderen in einem Satz sein Befinden mit und meldet gegebenenfalls Gesprächsbedarf für die Sitzung an. Wichtig ist, dass an dieser Stelle nicht diskutiert wird. Die angesprochenen Probleme werden aber in der nachfolgenden Gruppensitzung aufgegriffen oder entsprechend vertagt.

Ziel des Blitzlichtes ist es, dass sich die Gruppenteilnehmer von vorangegangenen Erlebnissen distanzieren und auf die Stimmung und die Probleme in der Gruppe einstimmen. Befindet sich die Gruppe in einer schwierigen Situation (beispielsweise durch Spannungen zwischen einzelnen Teilnehmern oder die Diskussion belastender Themen) – so gibt das Blitzlicht Auskunft über ein mögliches Unbehagen in der Gruppe. Außerdem informiert es darüber, wie zufrieden die Teilnehmer mit dem Ergebnis der Gruppensitzung sind (‚Abschlussblitzlicht’).  

Hausaufgaben besprechen

Die Gruppe zieht Bilanz, inwieweit die besprochenen Übungen und Vorhaben aus der vorangegangenen Sitzung – die Zwangshandlungen weniger auszuführen, mit dem Partner über Probleme zu sprechen usw. – von den Teilnehmer tatsächlich umgesetzt wurden. Wo gab es Probleme? Was nehmen sich die Einzelnen bis zur nächsten Sitzung vor?

Hauptthema festlegen

Die Gruppe ordnet die im Blitzlicht angesprochenen Probleme nach ihrer Wichtigkeit, wobei ähnliche Probleme zu einem Themenkomplex zusammengefasst werden können. Müssen mehrere wichtige und umfangreiche Themen besprochen werden, so wird das dringlichste zuerst bearbeitet. Die anderen werden – wieder in Absprache mit den davon betroffenen Teilnehmern - auf die folgenden Sitzungen vertagt. Wichtig ist, dass diese Themen dann aber auch wirklich angegangen werden und nicht einfach unter den Tisch fallen.

Genaue Problemerfassung

Bei der Besprechung eines Hauptthemas (z.B. Schlafstörungen) fehlen häufig wichtige Informationen, die den Zusammenhang deutlich machen (z.B. Schlafstörungen immer nach einem Streit mit der Freundin oder vor einem Besprechungstermin mit dem Chef). Um das Problem wirklich beseitigen zu können, müssen diese verborgenen Ursachen aber unbedingt herausgefunden werden. Das strengt zwar nicht nur den Betroffenen, sondern meist die ganze Gruppe an, loht sich aber in jedem Fall. Denn schließlich gilt: Wer das Huhn hat, braucht die Eier nicht mehr zu suchen...

Brainstorming zum Hauptthema

In dieser Phase werden alle Gedanken, Assoziationen, Ideen, Lösungsmöglichkeiten usw. zum Hauptthema gesammelt, die den Gruppenmitgliedern einfallen. Wie beim Blitzlicht sollten die einzelnen Vorschläge auch hier möglichst nicht kommentiert und schon gar nicht zensiert werden. Gerade verrückte Einfälle sind erwünscht, da sie die Stimmung lockern und auf diese Weise die Kreativität anregen. Das erhöht die Chance, tatsächlich eine geeignete Lösung für das Problem zu finden!

Lösungsvorschläge analysieren

In einem weiteren Schritt werden die Lösungsvorschläge dann auf ihre Machbarkeit hin analysiert. Der Betroffene muss jetzt – eventuell als Hausaufgabe bis zur kommenden Sitzung – entscheiden, welche Problemlösung(en) er ausprobieren möchte. Die öffentliche Verpflichtung in der Gruppe zu bestimmten Verhaltensänderungen und Hausaufgaben erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die vertrauten aber krankmachenden Pfade auch tatsächlich verlassen werden. In der nächsten Sitzung wird das Ergebnis der Hausaufgabe dann besprochen. Die Besprechung des Hauptthema sollte maximal eine Stunde dauern, da dann die Konzentrationsfähigkeit nachlässt.

Abschluss finden

In einem Abschlussblitzlicht sagen dann alle Teilnehmer noch einmal in einem Satz, wie es ihnen mit der Sitzung geht und was sie daraus für sich mitnehmen können.

Warum Selbsthilfegruppen helfen


• Ich traue mich hier meine Meinung zu sagen, hier bin ich kein Exot

• Man trifft sich mit Gleichgesinnten, fühlt sich verstanden und bekommt hier auch Infos zu Kliniken und Therapeuten

• Hier erlebe ich den Weg aus dem "Zwangs-Dschungel"

• Außerhalb der Gruppe kriege ich nichts hin, gehe wenig unter Leute, deswegen ist mir das Treffen sehr wichtig

• Hier kann ich mich mit meinen Problemen auseinandersetzen. Im alltäglichen Leben tue ich es nicht

• Ich freue mich auf die Treffen

• Ich fühle mich allen Gesunden unterlegen. Bin lästig. Das ist in der Gruppe nicht so. Ich kann mich der Gruppe zumuten, ohne das es jemanden zu viel wird

• Wenn ich die Probleme von anderen höre, ist es eine Erleichterung, weil ich merke, dass ich mit meinem Problem nicht alleine bin

• Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich in der Klinik hörte, dass es hier dieses Angebot gibt. In der Klinik habe ich vorher sehr gute Erfahrungen mit Gruppen gemacht. Die Gruppe ist eine wertvolle Erfahrung für mich

• Meine Familie versteht mich nicht. Hier treffe ich auf Menschen, die mich verstehen und akzeptieren

• Es war eine Mutprobe hierher zu kommen. Es war, wie von einem  Dreimeterbrett zu springen. Hinterher wusste ich, es ist nicht schlimmes passiert