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Medikamente

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Welche Medikamente können helfen?

 
Besonders wirkungsvoll bei der medikamentösen Behandlung von Zwangserkrankungen sind die so genannten selektiven "Serotonin-Wiederaufnahmehemmer" (SSRI) - eine bestimmte Gruppe der Antidepressiva. Besonders bewährt haben sie sich dann, wenn die Betroffenen zusätzlich unter Depressionen oder Angstzuständen leiden. Darüber hinaus kann bei Denkzwängen auch das Neuroleptikum Sulpirid helfen.   

Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der die Verbindung der einzelnen Nervenzellen im Gehirn sicher stellt. Die Wiederaufnahmehemmer helfen dabei, die bei den Zwangserkrankten gestörte Impulsweitergabe wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie unterstützen somit eine ohnehin vorhandene - aber eben entsprechend beeinträchtigte - körpereigene Funktion.

Durch die Einnahme der Antidepressiva verringert sich bei den meisten Betroffenen die innere Anspannung und die Zwangssymptome lassen nach. Die Wiederaufnahmehemmer sorgen somit für eine gewisse psychische Stabilität - machen aber weder abhängig noch beeinträchtigen sie das Reaktionsvermögen. Trotz der guten Erfolge ist es aber eine unzutreffende Vereinfachung, eine Zwangserkrankung lediglich als einen Serotonin- Mangel aufzufassen. Dagegen spricht beispielsweise, dass sich der Zustand von etwa einem Viertel der betroffenen Patienten (25 Prozent) trotz medikamentöser Behandlung nicht bessert.  

Ob ein Zwangskranker auf die Medikamente anspricht oder nicht, kann erst nach einer gewissen Einnahmezeit festgestellt werden. In den meisten Fällen zeigt sich eine Wirkung ungefähr nach 8 bis 10 Wochen. Als einen ersten Hinweis auf eine Besserung geben viele Betroffene an, dass sie weniger inneren Druck verspüren und sich insgesamt ruhiger fühlen. Die Zwangssymptome bestehen jedoch oft erst einmal unverändert weiter. Hat sich auch nach 10 bis 12 Wochen nichts verändert, so sollte mit dem Arzt über einen Wechsel des Medikaments gesprochen werden. 

Um optimal wirken zu können, müssen die Serotonin- Wiederaufnahmehemmer relativ hoch dosiert eingenommen werden. Im Vergleich zu depressiven Patienten erhalten Zwangskranke die zwei- bis dreifache Menge. Obwohl die Nebenwirkungen mit der Dosis grundsätzlich zunehmen, vertragen die meisten Zwangspatienten die höhere Dosierung recht gut.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wie bei allen Medikamenten kann es auch bei der Einnahme der Serotonin- Wiederaufnahmehemmer zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Viele treten jedoch nur zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden von alleine wieder. Um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, sollte eine anfangs niedrige Dosierung langsam gesteigert werden. Darüber hinaus hat es sich bewährt, die Medikamente nach dem Essen einzunehmen.

Am häufigsten klagen die mit Wiederaufnahmehemmern behandelten Betroffenen über Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und Schlafstörungen. Auch Kopfschmerzen, Nervosität und sexuelle Funktionsstörungen treten öfter auf.    

Haben sich die Zwangssymptome durch die Medikamenteneinnahme gebessert, so sollte die Behandlung in jedem Fall noch eine gewisse Zeit weiter fortgesetzt werden. Die Zwangssymptome kehren nämlich nach dem Absetzen der Medikamente relativ häufig wieder zurück. Rund 70 Prozent der Betroffenen werden innerhalb der ersten Monate nach dem Absetzen des Medikamentes rückfällig. Nicht zuletzt deshalb ist eine begleitende verhaltenstherapeutische Behandlung empfehlenswert.