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Psychotherapie

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Welche Psychotherapie hilft?

Für die Psychoanalyse sind Zwangserkrankungen ein Ausdruck unbewusster Konflikte, die entsprechend aufgearbeitet werden müssen. Zwar hat sie seit Sigmund Freud viel zum Verständnis der Zwangserkrankungen beigetragen - als Therapieverfahren ist sie jedoch wenig bedeutsam. Einigen Kritikern zufolge können psychoanalytische Techniken wie das "freie Assoziieren" die Zwangssymptomatik des Klienten unter Umständen sogar verstärken.

Im Gegensatz dazu geht die Verhaltenstherapie die Probleme der Betroffenen direkt an und versucht sie zu beseitigen. Und das mit Erfolg. Langzeitstudien belegen, dass sich der Zustand von 75 Prozent der entsprechend behandelten Zwangserkrankten 2 bis 6 Jahre nach Ende der Verhaltenstherapie gebessert bis sehr gebessert hatte. Die Zwangssymptomatik wird im Rahmen verhaltenstherapeutischer Ansätze als ein Wechselspiel zwischen der Persönlichkeit des Betroffenen und seinem sozialen Umfeld verstanden. Von daher erfolgt vor der eigentlichen Behandlung eine umfassende Betrachtung der jeweiligen Lebens- und Lerngeschichte.   

Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden Zwangserkrankungen in der Regel mit der so genannten Reizkonfrontation oder "Exposition in vivo" ("sich in der Realität bestimmten Faktoren aussetzen") und anschließender Reaktionsverhinderung behandelt. Der Betroffene wird dabei systematisch in Situationen gebracht, die normalerweise die Zwangssymptome auslösen (z.B. dreckige Gegenstände berühren bei Waschzwängen; Wohnung ohne Kontrollen verlassen bei Kontrollzwängen; Ordnung durcheinander bringen bei Ordnungszwängen) und dann an der Durchführung seiner Zwangsrituale gehindert. Bei Gedankenzwängen kann eine "Exposition in der Phantasie" und ein so  genannter Gedankenstopp probiert werden. Dabei muss sich der Betroffene gedanklich seinen schlimmsten Befürchtungen aussetzen und diese dann auf Kommando unterbrechen. Dieses Vergehen ist in der Praxis jedoch nicht so erfolgreich wie eine "richtige" Exposition.  Nach Ansicht der Verhaltenstherapeuten verringern die Zwangsrituale die durch bestimmte Situationen ausgelösten Ängste. Dadurch kann es der Zwangskranke vermeiden, sich mit eben diesen Ängsten auseinanderzusetzen.  

Gewöhnung an unangenehme Reize

Die Exposition mit Reaktionsverhinderung zwingt ihn nun, sich seinen negativen Gefühlen wie Wut, Trauer, Angst oder innerer Leere zu stellen. Die Betroffenen lernen, dass die von ihnen befürchteten Katastrophen  - wie z.B. ein Wohnungsbrand durch eine nicht ausgeschaltete Kaffeemaschine - nicht eintreten. Nach einer Weile verlieren die anfangs extrem unangenehm empfundenen Reize ihre Intensität und es kommt zu einer so genannten "Habituation" (Gewöhnung). Den Zwangskranken wird bewusst, dass sie ihre Ängste aushalten und nach und nach überwinden können. Dieses Prinzip funktioniert jedoch nicht, wenn die Patienten zusätzlich depressiv sind. In diesem Fall muss zuerst die Depression behandelt werden. 

Der Betroffene darf die Konfrontationsübungen erst dann abbrechen, wenn der negative Reiz tatsächlich schwächer geworden ist. Andernfalls nimmt die Angst - und damit das Vermeidungsverhalten - zu und verstärkt entsprechend die Zwangssymptome. Aus diesem Grund können die Übungen gerade zu Beginn der Therapie mehrere Stunden dauern.

Im Laufe der Therapie wird der Betroffene immer stärker aufgefordert, die Übungen im Sinne eines Selbstmanagementansatzes alleine durchzuführen. Auf diese Weise lernt er, auch konfliktreiche Situationen ohne Zwangssymptome zu bewältigen. Wichtig für den Erfolg ist häufiges Üben - je öfter der Betroffene während der Therapie seinen Zwängen auch in schwierigen Momenten widerstehen konnte, umso leichter fällt es ihm nach Ende der Behandlung. Hilfreich für einen dauerhaften Erfolg der Therapie ist es zudem, die Angehörigen mit in die Behandlung einzubeziehen. 

Neben den Zwangssymptomen werden im Rahmen der Verhaltenstherapie auch darüber hinausgehende Probleme des Patienten durchgesprochen und bearbeitet - wie Versagensängste, soziale Ängste oder Hemmungen, negative Gefühle auszudrücken.                    

Wie lange eine Verhaltentherapie dauert, ist sehr unterschiedlich. Wichtige Faktoren hierfür sind die Motivation des Betroffenen und die Intensität der durchgeführten Übungen - sowie die Schwere der Zwangserkrankung. Viele Zwänge (wie beispielsweise Kontroll- oder Reinigungszwänge) sind eng an die persönliche Umgebung des Betroffenen gebunden. Von daher ist es sehr empfehlenswert, dass zumindest ein Teil der Therapie in den eigenen vier Wänden stattfindet.